uena: (chris)
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Deswegen poste ich die Anfänge meiner Leverage!Weihnachtsgeschichte jetzt schon mal hier. Den Rest gibt's dann zu Weihnachten im [livejournal.com profile] hexenzirkel !


 

Es war unverschämt kalt. Schneematsch zierte die Rinnsteine, und ein bleigrauer Himmel drohte, sich jede Minute zu öffnen und Niederschlag der feucht-kalten Art auf die Stadt fallen zu lassen. Das ungastliche Wetter hielt aber anscheinend kaum jemanden davon ab, sich vor die Tür zu wagen, um ein paar letzte Weihnachtsgeschenke zu besorgen.

Eliot rieb sich grummelnd die Unterarme und zog leicht die Schultern hoch. Hinter sich konnte er Parker aufgeregt vor sich hin brabbeln hören, nur ab und zu unterbrochen von Hardison, der hingerissen seine Zustimmung mit ihren hanebüchenen Plänen kundtat.

Eliot verdrehte die Augen. Er war sich nach wie vor nicht völlig darüber im Klaren, wie er sich von diesen Beiden hatte breitschlagen lassen können, sie zu begleiten. Gut, ja, ihre Idee, Nate und Sophie Geschenke zu kaufen, mochte spät gekommen sein, war aber dennoch nicht ganz verkehrt. Trotzdem hätten sie diese Geschenke durchaus auch ohne ihn besorgen können. Aber nein, aus irgendeinem ominösen Grund war ihm Ruhe und Entspannung nicht mal am Abend vor Weihnachten vergönnt.

Dass ausgerechnet Parker Pläne für Geschenke machte, die in ihrer Kostspieligkeit kaum zu überbieten waren, war außerdem ein bisschen verstörend. Oder bezaubernd. Nein, verstörend. Denn Parker wollte diese Geschenke nicht etwa klauen, nein, sie wollte sie kaufen. Ausgerechnet die Frau wollte freiwillig Geld ausgeben, die es einem deutlich übler nahm, wenn man sie nicht bezahlte, als wenn man versuchte, sie umzubringen. Unheimlich. Eliot grunzte leise. Er wandte sich kurz um, um seinen Anhang zur Eile anzutreiben, und wurde von Parker enthusiastisch angestrahlt, während Hardison ein ganz klein wenig schuldbewusst aus der Wäsche guckte. Wenigstens etwas.

Parker hatte beschlossen, das größte, protzigste, teuerste Kaufhaus der Stadt aufzusuchen, um dort ihr sauer verdientes Geld zu verschleudern. Sobald Eliot auch nur einen Fuß über die Schwelle zu diesem Tempel des sinnlosen Konsums gesetzt hatte, überkam ihn ein ungewöhnlich schlechtes Gefühl. Sicher, ihm wurden aus allen Richtungen irritierte Blicke zugeworfen – was wollte einer wie er denn bitte in einem Geschäft wie diesem? – aber das allein konnte das Gefühl von Anspannung in seiner Magengegend nicht erklären. Vielleicht war es die plötzliche, stickige Hitze, die im Innern des Kaufhauses herrschte. Oder das zu grelle Licht. Oder das Verkaufspersonal, das ihn musterte, als sei er ein Straßenköter, der mit einem Besen vor die Tür gekehrt gehörte. Eliot zog sich seine graue Strickmütze mit dem Rautenmuster vom Kopf, stopfte sie in die Tasche seiner gefütterten Weste und glättete sich das widerspenstige Haar, bevor er sich erneut nach Parker und Hardison umblickte. Diese Beiden waren allerdings bereits ausgeschwärmt und beinahe aus seinem Blickfeld verschwunden. Eliot fluchte leise. Genau so hatte er sich das vorgestellt. Er hätte darauf bestehen sollen, dass sie diesen Job handhabten wie jeden anderen auch, und sich mit Mikrophonen und Peilsendern ausstatteten.

Eliot setzte zur Verfolgung seiner flüchtigen Protegés an, packte Hardison an der pelzigen Kapuze seines Wintermantels und zog ihn mit einem Ruck zurück. „Wo zum Teufel wollt ihr hin?“ Parker, die nicht bemerkt hatte, dass ihr mehr oder weniger heimlicher Verehrer aufgehalten worden war, schlängelte durch die Menge von Dannen. Hardison drehte sich zu Eliot um. „Sie will Sophie Dessous kaufen!“ Eliot blinzelte ihn an. „Bitte?“

Hardison glühte förmlich vor Entzücken. „Sie will Sophie Dessous kaufen“, wiederholte er mit einer unheiligen Menge an Vorfreude in der dunklen Stimme. „Kannst du dir das vorstellen, Mann?“ Er beugte sich zu Eliot vor, um ihm vertraulich zuflüstern zu können. „Meinst du, sie wird sie anprobieren, um sicher gehen zu können, dass sie auch tatsächlich gut aussehen?“

Eliot riss sich an dieser Stelle schwer zusammen, Hardison keine Kopfnuss zu verpassen, und blickte sich ein wenig verloren nach einem Wegweiser um. Wo zum Teufel war in diesem Drecksladen die Damenabteilung? Er erblickte schließlich ein Schild von der ungefähren Größe eines Mastochsen und stapfte, Hardison an seiner Kapuze hinter sich her zerrend, darauf zu. Eine halbe Minute ausdauernden Starrens auf das Schild enthüllte dem überforderten Einkäufer schließlich, dass Parker höchstwahrscheinlich in den ersten Stock entfleucht war. Eliot machte sich mit Hardison am Schlafittchen an ihre Verfolgung.

 

„Nein, nein … nicht sowas“, war das Erste, das ihnen in Gestalt von Parkers überdrehter Stimme entgegen schallte, als sie die Rolltreppe in den ersten Stock verließen, „das ist viel zu billig!“
„M’am“, widersprach eine leicht verwirrte Verkaufsassistentin, „dieses Ensemble kostet über fünfhundert Dollar.“
Eliot und Hardison tauschten einen kurzen Blick und sprinteten gleichzeitig los. Das fehlte gerade noch, dass Parker dafür sorgte, dass sie rausgeworfen wurden, indem sie sich verdächtig machte. Aber wem machten sie hier eigentlich etwas vor? Parker war auffällig, selbst wenn sie versuchte, einfach nur zu atmen.

Während Parker mit den Rücken zu ihnen stand, konnte die geplagte Verkäuferin das Herannahen geballter Männlichkeit, die Eliot und Hardison darstellten, einen Moment lang auf sich wirken lassen. Eliots Haare wehten in einer nicht vorhandenen Brise, sein Blick sprach Bände der Mordlust – und sein Begleiter, der ihn um einen guten Kopf überragte und deswegen eigentlich noch ein bisschen gefährlicher wirken müsste, was er aber einfach mal nicht tat, grinste übertrieben verzückt. Die Verkäuferin – ihr Name war Molly – fragte sich im Stillen, wieso die Irren eigentlich immer bei ihr einkaufen wollten, und harrte den Dingen, die da kommen mochten. Als die Herren allerdings vor ihr zum Stehen kamen, hatte Eliot sich so weit gefasst, dass er sie charmant anlächeln konnte, und Mollys Herz war gewonnen. Sie konnte sich nicht so ganz erklären, wie das passiert war, und schob es auf ihre emotionale Unausgeglichenheit so kurz vor Weihnachten.

„Was kann ich für sie tun?“ erkundigte sie sich professionell bei den Herren. Hardisons Auskunft, dass sie zu der strapaziösen Blonden gehörten, die ihr das Leben schwer machte, machte ihn Molly nicht unbedingt sympathischer. Da aber der zweite Herr mit den so unfassbar beeindruckenden Oberarmen den Eindruck machte, als fühle er sich nicht ganz so zugehörig zu dieser strapaziösen Blonden, brachte Molly ein tolerantes Lächeln zu Stande. „Wunderbar.“

Eliot grunzte nur und wandte sich Parker zu. „Hast du was Passendes gefunden?“
„Wie kann sie wissen, ob es passt, wenn sie es nicht anprobiert hat?“ mischte Hardison sich grinsend ein. Eliot verpasste ihm einen gedämpften Stoß in die Rippen.
„Ich habe noch nicht alles gesehen“, erklärte Parker übertrieben geschäftig, „aber ich glaube nicht, dass wir hier das Richtige finden. Die haben nichts in der Preisklasse, die ich mir vorgestellt hatte!“

„Ich glaube nicht, dass Unterwäsche in der Preisklasse, die du dir vorstellst, überhaupt existiert“, knurrte Eliot ihr zu. „Also such Sophie einfach was aus, von dem du glaubst, dass es ihr gefällt, und dann verschwinden wir hier!“

Parker blinzelte ihn hilflos an. „Woher soll ich wissen, was ihr gefällt? Ich wollte ihr einfach das Teuerste kaufen.“

Molly blickte abwartend von einem zum anderen. Ihr Feierabend entschwand gen Horizont und winkte ihr hämisch zu. „Wenn Sie mir gestatten, Sie zu unterstützten“, versuchte sie, ihn wieder in greifbare Nähe zu zerren, „dann finden wir vielleicht etwas, das … Sophie … gefällt.“

Parker machte kugelrunde Augen. „Sie kennen Sophie?“

„Nein“, gab Molly lächelnd zu – irgendwie fand sie diese quirlige Blonde plötzlich niedlich, „aber wenn Sie sie mir beschreiben, dann muss ich das auch gar nicht.“

„Ok“, sagte Parker kriegerisch. „Sie hat Schuhe. Tausende von Schuhen. Sie liebt diese Schuhe.“ Parker hielt inne und legte leicht den Kopf schief. „Vielleicht sollte ich ihr Schuhe kaufen …“
„Nein!“, brüllten Eliot und Hardison gleichzeitig, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Gründen. Während Hardison sich um die eventuelle Möglichkeit beraubt sah, Parker in Spitzenunterwäsche zu erblicken, konnte Eliot sich nichts Grauenhafteres vorstellen, als mit Parker Schuhe zu kaufen, die dann auch noch Sophie gefallen sollten.

„Bleib bei der Unterwäsche“, bat er sie mit einem leisen Hauch Verzweiflung in der Stimme, der quasi nicht wahrzunehmen war. „Schuhe hat sie nun wirklich schon genug.“

„Auch wieder wahr“, stellte Parker fest und wandte sich wieder Molly zu. „Also“, setzte sie an, „sie hat Schuhe. Teure Schuhe. Nutzlose Schuhe. Schuhe, in denen sie gehen kann und Schuhe, die sie prinzipiell nur zum Sitzen anzieht. Und sie redet komisch.“

„Sie ist Britin“, klärte Hardison Molly auf, die eine Sekunde lang ein wenig verwirrt dreingeschaut hatte. Molly nickte verständnisvoll. Sie mochte Briten. Es gab gewisse Briten, denen konnte sie stundenlang zuhören, und wenn sie ihr Rezepte für Tomatensuppe vorlasen. Aber das musste sie ihrer Kundschaft ja nicht erzählen.

„Eine Britin mit einem Faible für teure Schuhe also“, trug sie zusammen, was sie bisher über die ihr unbekannte Sophie herausgefunden hatte. Was, zugegeben, nicht sonderlich viel war. „Wie sieht sie aus?“

„Britisch!“ trompetete Parker energisch. Eliot atmete tief durch. „Mittelgroß. Dunkles Haar, dunkle Augen. Eleganter Kleidungsstil. Sehr verwandlungsfähig.“ Das letzte hatte er eher der Vollständigkeit halber hinzugefügt und weniger zum Nutzen der Verkäuferin.

„Sie wissen nicht zufällig ihre Kleidergröße?“ erkundigte Molly sich hoffnungsvoll. Eliot schüttelte den Kopf und blickte sich dann in der Damenabteilung um. Nach einer halben Minute deutete er mit dem Kinn auf eine Dame, die ein paar Meter entfernt stand. „Die da.“

Hardison folgte seinem Blick. Er nickte zustimmend. „Die da.“
Parker machte im Licht der Kaufhausbeleuchtung Schattenspiele gegen den Verkaufstresen.

„Fabelhaft.“ Molly fühlte sich plötzlich so gut unterhalten wie schon lange nicht mehr. „Es soll also elegant und geschmackvoll sein, und der Preis spielt, wie ich annehme, eine eher untergeordnete Rolle?“

Parkers Schattenente löste sich in Wohlgefallen auf, und sie hob den Kopf, um fröhlich zu nicken. „Richtig.“

Molly ging dazu über, ihrer Kundschaft mehrere Stücke sündhaft teurer Haute Couture vorzuführen, und war einigermaßen amüsiert über den folgenden Dialog, selbst wenn die Abteilung sich langsam lehrte, und es im Prinzip so gut wie Ladenschluss war. Molly teilte ihren Kolleginnen mit, dass sie gehen konnten, versprach, die Kasse zu machen und blieb pflichtbewusst zurück, um der unbekannten Sophie zur schönsten Unterwäschekollektion aller Zeiten zu verhelfen.

„Ich fühl mich, als würde ich meiner Mutter Reizwäsche kaufen“, stellte Hardison mit einem Mal fest. Sein Enthusiasmus hatte bedenklich gelitten, sobald ihm aufgegangen war, dass Parker die Unterwäsche nicht probetragen würde.

„Ich wollte sowas schon immer mal machen“, bemerkte Parker, die Molly nicht die geringste Aufmerksamkeit schenkte und in schönster Regelmäßigkeit auf die grausigsten Stücke losging, die die Damenabteilung zu bieten hatte. Orange mit lila Punkten. Grün-Rosa kariert. Senfgelbblähfarben. Parker zerrte es wie ein hyperaktives Eichhörnchen auf der verzweifelten Suche nach Augenkrebs zutage.

„Du wolltest schon immer mal Reizwäsche für deine Mutter kaufen?“ brummte Eliot und pellte sich aus seiner Weste. Ihm wurde so langsam warm. Molly betrachtete hingerissen seine Oberarme bei der Arbeit. Dann fiel ihr Blick auf seine Haarpracht. Sie überlegte schon die ganze Zeit, ob sie ihn nach Pflegetipps fragen sollte, traute sich aber nicht.

„Nein“, stellte Parker klar. „Geschenke kaufen wollte ich schon immer mal. Aber ich hatte nie jemanden, für den sich das gelohnt hätte.“

Eliot schluckte trocken und verbot sich, auch nur einen Funken Rührung zu zeigen. Hardison hatte nicht richtig zugehört. „Was schenken wir eigentlich Nate?“ wollte er an dieser Stelle wissen und prüfte mit den Fingerspitzen die Seidigkeit des Spitzenhöschens, das Molly ihm entgegen hielt.

Parker warf sich in Positur. „Ein Buch und Rasierwasser!“

Eliot blinzelte. „Was?“ Er sammelte sich. „Ist das nicht ein wenig … gewöhnlich?“

Parker nickte nachdrücklich. „Genau das! Er jammert doch die ganze Zeit, dass er sein normales Leben zurück will. Normaler als Buch und Rasierwasser geht’s nun wirklich nicht mehr!“

Eliot schwieg beeindruckt. Auf verquere Art und Weise machte das sogar irgendwie Sinn. Er deutete auf das aktuelle Stück Wäsche, das Molly ihnen herangetragen hatte. „Das da.“

Zugegeben, die Wäsche war schön, unterschied sich aber nicht wesentlich vom dem, was sie bisher gesehen hatten. Eliot hatte schlicht keine Lust mehr, sich noch länger Wäsche zeigen zu lassen, die er ohnehin nie wieder zu Gesicht bekommen würde – und auch gar nicht zu Gesicht bekommen wollte. Nicht, dass hier irgendwelche Missverständnisse aufkamen. Sophie war nett und alles, aber Eliot ging es ähnlich wie Hardison und fühlte sich ein kleinwenig, als würde er Reizwäsche für seine Mutter aussuchen.



Date: 2009-11-05 06:58 pm (UTC)
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Heee. Ich freue mich, dich derartig zum Lachen gereizt zu haben - und auch dir natürlich recht herzlichen Dank für diesen tollen Kommentar.
Ich werde sehen, wie weit ich in den nächsten Tagen komme - zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher noch gar nicht weiter geschrieben habe.
Wenn die aktuelle Tippgeschwindigkeit, mit der meine Finger über die Tastatur hasten, allerdings auch nur der geringste Hinweis sein soll, dann sind sie mehr als ungeduldig, bald mal wieder was Kreatives zu vollbringen.
Bis dahin knuddel den besorgten indischen Austausstudenten von mir ... allein dafür, dass er so unfassbar liebenswert zu sein scheint!

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